Mit einem Gesamtumsatz von annähernd 87 Mio. Euro konnte MIWE im Jahr 2010 erfolgreich an das Wachstum vor der weltweiten Finanzkrise 2009 anknüpfen. Insbesondere die Auftragseingänge aus dem Ausland, wo sich die Investitionszurückhaltung infolge der Turbulenzen an den Finanzmärkten am deutlichsten niedergeschlagen hatte, nahmen wieder deutlich an Fahrt auf. Der Gesamtumsatz stieg daher vor allem exportgetrieben im Vorjahresvergleich um 8,4 %. Im Inland wurde die vorsichtig zurückgenommene Jahresprognose um 3 % überschritten, der Jahresauftragswert von 2009 aber noch nicht wieder ganz erreicht. Der Exportanteil lag 2010 bei etwa 47 %.
Im Auslandsgeschäft hat sich damit die kontinuierliche Zusammenarbeit mit größtenteils langjährigen Partnern sehr gut bewährt. Mit einem Auftragseingang von mehr als 3 Mio. Euro (das entspricht einem Plus gegenüber dem Plan von 68 %) hat sich beispielsweise Frankreich als wichtiger zentraleuropäischer Schwerpunktmarkt für MIWE erfolgreich etabliert. Mit einem Auftragseingang von annähernd 6 Mio Euro hat Polen einen Rekordbeitrag in der Firmengeschichte geleistet. Auch in Japan, im asiatischen Raum (Hongkong, Singapur, Korea), im mittleren Osten, in Russland, der Schweiz, in Australien und in der Ukraine standen die Zeichen weiterhin auf Wachstum. In der Ukraine beliefen sich beispielsweise alleine die Großaufträge für den Bäckereianlagenbau auf einen Gesamtwert von rund 3 Mio Euro. Lediglich in den besonders von der Finanzkrise betroffenen USA blieben die Umsätze leicht hinter den Erwartungen zurück, erreichten aber dennoch eine Steigerung gegenüber 2009.
Die Internationalisierung schreitet weiter voran
Zur Sicherung seiner Marktposition weitete MIWE auch in 2010 seine internationale Präsenz konsequent weiter aus. Unter schwierigen Rahmenbedingungen ist es gelungen, im Iran den Aufbau einer Vertretung auf den Weg zu bringen, die zügig erste Verkaufserfolge vorzuweisen hatte. Mit HEIDI Chef Solutions konnte darüber hinaus eine neue Vertretung für den mittleren Osten mit Sitz in Dubai gefunden werden, die für den eigens gegründeten Geschäftsbereich „Bakery Equipment" außer einem erfahrenen Geschäftsführer mittlerweile auch zwei Service-Spezialisten unter Vertrag genommen hat. Von dort aus wird MIWE auch die Emirate bedienen und seine Präsenz in der Region insgesamt intensivieren. Wichtige Schritte wurden außerdem beim Aufbau einer Vertretung in Brasilien unternommen, die den südamerikanischen Raum erschließen soll. Die Importlizenzierung ist zwischenzeitlich erfolgt, eine erste Hausmesse mündete zielgerichtet in nennenswerte Aufträge.
Um auch angestammte Märkte noch konzentrierter bearbeiten zu können, wurde Matthias Burkhardt als Area Sales Director für Italien und Österreich und zugleich als Geschäftsleiter der schweizerischen MIWE Tochter eingesetzt. Das von der russischen Tochter aus betreute Händlernetz in der Russischen Föderation wurde gezielt weiter ausgebaut; neben einer fortdauernd regen Nachfrage nach Bäckereianlagentechnik ist dort nun auch ein steigender Bedarf an MIWE Backstationen zu verzeichnen.
Weil insbesondere im Bereich Backstationen große Wachstumspotenziale nur durch die gezielte Bearbeitung neuer Kundensegmente gehoben werden können, hat MIWE in 2010 ein sowohl national als auch international agierendes Key Account Management auf den Weg gebracht, um die spezifischen Anforderungen und Bedürfnisse großer Kunden zielgerichtet bedienen zu können. Diese Fokussierung führte schon im ersten Jahr zu einer bemerkenswerten Intensivierung der Kontakte und zu erfreulich steigenden Absätzen.
Weiter im Fokus: MIWE synchro
Die Prozessoptimierung in Produktion und Verwaltung, die MIWE 2009 unter der Bezeichnung „MIWE synchro" eingeführt hat, schritt weiter voran und wurde konsequent in allen Unternehmensbereichen als Richtschnur etabliert. Leitgedanke ist die Philosophie der „Lean Management", also der schlanken, verschwendungsfreien Prozesse unter dem Motto „Freier atmen. Klarer sehen. Erfolgreicher arbeiten". MIWE hat dabei keineswegs nur die Fertigung, sondern den gesamten auftragsbezogenen Prozess (und damit die komplette Administration) im Auge. Ziel ist es, mit dem geringsten Aufwand das maximale Ergebnis zu erreichen.
In diesem Zusammenhang wurde auch die Produktion des Etagenbackofens MIWE condo von Arnstein in das Werk in Meiningen verlegt. Das dortige Kompetenzzentrum für Backstationen ist bestens gerüstet, um die steigenden Stückzahlen des „kleinen, aber feinen" Etagenbackofens in deutlich verkürzter Durchlaufzeit sauber getaktet und auf gleich bleibend hohem MIWE Qualitätsniveau zu produzieren. Die Verlagerung kam ohne betriebsbedingte Kündigungen am Standort Arnstein aus.
Produktinnovationen
Anwendungsspezifische Komplettierungen und Optimierungen des Produktportfolios standen im Berichtsjahr im Zentrum der Entwicklungstätigkeit.
Das Konzept des Stikkenofens MIWE roll-in e+, der mit einer vollkommen neuen Heizgasführung binnen kürzester Zeit als „vermutlich sparsamster Stikkenofen der Welt" zum bedeutsamen Umsatzträger für MIWE avancierte, wurde auf alle Größen übertragen und auch in einer elektrisch beheizten Variante vorgestellt.
Der thermoöl-beheizte Etagenbackofen MIWE thermo-express wurde komplett überarbeitet und mit neuester Technik ausgestattet. So wurde beispielsweise ein reiner 12-Herder konstruiert und gebaut, bei dem jeder Herd eine eigene Temperaturregelung und ein Umluftsystem („Turbo-Technik") zur flexibleren Steuerung der Backatmosphäre und damit zur Individualisierung und Verbesserung des Backergebnisses besitzt.
Der bislang nur als 3-Herder verfügbare Etagenbackofen MIWE ideal M (eine „M"odular stapelbare Variante des bekannten Klassikers aus dem Hause MIWE) wurde zu einem 6-Herder weiterentwickelt, der unter der Bezeichnung M6 verfügbar ist. Damit können nun maximal zwei Module mit jeweils 6 Herden übereinander gestapelt und durch ein automatisches Beschickungssystem be- und entladen werden.
Die Modulbauweise zog auch bei den automatischen Gäranlagen ein. Speziell für den osteuropäischen Markt entwickelt und gebaut, erreichen diese neuen Gäranlagen außer einer Stundenleistung von ca. 3.500 Stück vor allem ein besonders attraktives Preis-Leistungs-Verhältnis.
Die per Fingertipp bedienbare Computersteuerung MIWE TC wurde 2009 erstmals für Kälteanlagen angeboten und hat sich wegen ihrer vielen Vorzüge in 2010 auf breiter Front am Markt etabliert. Diese Steuerung ist deutlich leistungsfähiger als ihre Vorgängerin. Sie erlaubt daher feiner auflösende Messfühler und höhere Messgenauigkeiten. Damit können Temperatur-Feuchte-Profile entschieden genauer gefahren werden, was sich in einer verlässlich reproduzierbaren, höheren Produktqualität niederschlägt.
Die MIWE eco:box, das dedizierte Rückgewinnungssystem für Abwärme aus Rauchgas, steht nun mit mehreren Modulen für Brennerleistungen von 95 bis 300 kW und für alle Brenner von Backöfen und Heizkesselzentralen zur Verfügung und deckt somit alle erdenklichen Leistungsklassen in der Backstube ab. Die ganze Serie ist mittlerweile vom TÜV Süd in München erfolgreich abgenommen worden. Als neues Produkt wurde die MIWE eco:proof am Markt eingeführt, eine Gärheizung, die als Abnehmer von zurückgewonnener Wärme mit ihrem vor- oder nachgeschalteten Heizregister in den unterschiedlichsten Gäranlagen nicht nur eine Reduzierung der Energiekosten erlaubt, sondern zudem mit ihrer sanften Wärme für eine spürbare Verbesserung des Gärklimas und damit für bessere Produktqualität sorgt.
Das Fresh Food System MIWE cube, das sich speziell an solche Bäcker wendet, die gastronomische Zusatzleistungen als wichtige Umsatzbringer für sich erkannt haben, wurde mit dem MIWE cube:fire um eine bedeutsame Komponente erweitert. Der elektrisch beheizte Etagenbackofen ist mit seiner hochwertigen Steinplatte der perfekte Ofen für alle Produkte, die keinen Schwaden, dafür aber eine besonders hohe Backtemperatur benötigen, also beispielsweise für Pizza, Quiches, Flammkuchen, Brezeln, Blätterteigprodukte oder überbackene Snacks.
Erfolgreich integriert: MIWE energy
Mit dem neuen Geschäftsbereich MIWE energy ist es MIWE nicht nur gelungen, sich frühzeitig als das ausgewiesene Kompetenzzentrum für energieeffizientes Backen zu etablieren, er entwickelt sich auch zusehends als wertvolles Bindeglied zwischen den Produktionsprozessen Gären, Backen, Kühlen und Frosten. Das für die Energiekonzepte notwendige Engineering setzt hohe fachliche Qualifikation und umfassende Erfahrung mit backtechnologischen und energetischen Fragestellungen voraus; Markt und Kunden anerkennen hier mittlerweile einhellig die Expertise des MIWE Teams.
Service - ein wichtiger Part der Zukunftssicherung
Der MIWE Service genießt nicht ohne Grund einen guten Ruf in der Branche. Seine Aufgabe ist es, zu einer möglichst hohen Verfügbarkeit aller MIWE Maschinen und Anlagen beizutragen. 2010 wurde damit begonnen, bei MIWE eine neue Struktur des Service-Desks zu etablieren, die zwischen einem 1st Line und einem 2nd Line Service differenziert. Die Unterscheidung ist einfach: Der 1st Line Service nimmt alle Anfragen entgegen und bearbeitet auch gleich die einfachen Fälle. Kommt er alleine nicht weiter, gibt er die Anfrage an den zuständigen fachlichen Spezialisten aus der zweiten Reihe ab. Auf diese Weise konnte nicht nur die Erreichbarkeit des Service insgesamt um annähernd 20 % erhöht werden, jede Anfrage erreicht nun auch genau den Ansprechpartner, der die dafür notwendige Expertise besitzt.
Zum verbesserten Ergebnis des MIWE Service hat auch beigetragen, dass Standardprozesse wie Retouren oder die Reklamationsbearbeitung in Zusammenarbeit mit dem MIWE Qualitätsmanagement überarbeitet und optimiert worden sind. Damit konnte die Bearbeitungsqualität verbessert, die Bearbeitungszeit beschleunigt und letzten Endes die Kundenzufriedenheit messbar gesteigert werden.
Mitarbeiter-Fortbildung
Die gründliche Qualifikation der Mitarbeiter wird bei MIWE von jeher als wesentlicher Baustein der Zukunftssicherung wahrgenommen. Dies gilt ganz besonders in Zeiten des demographischen Wandels, und keineswegs nur für die Fort- und Weiterbildung, sondern selbstverständlich auch für die betriebliche Ausbildung. Von 12 Auszubildenden wurden im Jahr 2010 / 11 in eine Festanstellung übernommen. Mehrere Mitarbeiter haben ihre Fortbildungen zu Wirtschafts- oder Industriefachwirten, Betriebswirten, Meistern oder Fachingenieuren erfolgreich abgeschlossen. Mehr als zwanzig Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben darüber hinaus an einem längerfristigen Coaching unter dem Thema „Erfolgreicheres Kunden- und Beziehungsmanagement" teilgenommen. Ziel: Bessere Betreuung unserer Kunden.
Investitionstätigkeit
MIWE hat auch in 2010 seine Investitionstätigkeit als wichtige Maßnahme zur Zukunftssicherung fortgesetzt, sogar auf besonders hohem Niveau: Die (ausschließlich eigenfinanzierten) Investitionen belaufen sich auf insgesamt annähernd 2,4 Mio Euro. Darüber hinaus wurden für die für 2011 geplanten Erweiterungen des Maschinenparks Anzahlungen von ca. 357 TEUR geleistet. Für eine im Bau befindliche Absorptionskälteanlage wurden weitere 210 TEUR investiert.
Größter Einzel-Investitionsposten mit 803 TEUR war 2010 der Fuhrpark, gefolgt vom Erwerb gewerblicher Schutzrechte (330 TEUR). Im Vorgriff auf die Ausstattung aller technischen Außendienstmitarbeiter mit Mobile Service Devices wurde entsprechende Hardware im Wert von annähernd 150 TEUR beschafft.
Der sparsame Einsatz natürlicher Ressourcen ist für MIWE nicht bloß eine Forderung an die Bäcker und ihre Anlagen - er gilt selbstverständlich auch für das eigene Unternehmen. Nicht umsonst heißt es in den Leitsätzen des Unternehmens: „Unser Handeln ist von einer umweltbewussten Grundeinstellung geprägt." Getreu dieser Maxime hat MIWE in 2010 mehr als 320 TEUR in den Bau einer Solaranlage auf den Dächern der Fertigungshallen investiert.
Ausblick
Für das Jahr 2011 rechnet MIWE mit einer weiteren Konsolidierung der Märkte und mit weiterem Wachstum insbesondere im Bereich der industriellen Backwarenfertigung und der Backstationen. MIWE versteht sich als Experte für die klimatisierenden Prozesse des Backens und als Garant für höchste Backkompetenz und sieht sich daher für die rasanten Veränderungen in den Backwarenmärkten bestens gerüstet. Eine Stärkung der strategischen Ausrichtung, die konsequent fortgeführte Optimierung aller Geschäftsprozesse sowie eine noch enger an den Bedürfnissen der maßgeblichen Märkte entlang geführte Portfoliopolitik wird helfen, zukünftig noch erfolgreicher zu sein.